James Randi, Zauberkünstler und Stifter des mit 1 Mio. Dollar dotierten Randi-Preises, bereitet sich auf die Möglichkeit vor, den Preis in absehbarer Zukunft auszahlen zu müssen.
Stephan Matthiesen - ehemals Redakteur des GWUP-Organs SKEPTIKER und heute aktives Mitglied der Gesellschaft für Anomalistik e.V. - beschrieb den Randi-Preis im SKEPTIKER 1/2000 wie folgend:
"Ich, James Randi, werde die Summe von US $1.000.000 (1 Million) der Person bzw. den Personen zahlen, die übersinnliche, übernatürliche oder paranormale Fähigkeiten jeglicher Art unter zufriedenstellenden Beobachtungsbedingungen demonstrieren können." Hinter diesem Preis, der von der James Randi Educational Foundation (JREF) in Fort Lauderdale, Florida, verwaltet wird, steht der Gedanke, Personen, die etwas Fantastisches behaupten, direkt auf die Probe zu stellen: Sind sie bereit, ihre Behauptungen zu belegen? Falls ja, so haben sie einen Anreiz, sich von der JREF prüfen zu lassen. Falls nicht, so haben sie kein Recht, ihre Behauptungen weiterhin aufrechtzuerhalten. Bisher wurde der Preis noch nicht ausgezahlt. Viele Menschen scheint die Idee, die Existenz des Paranormalen derart zu testen, intuitiv anzusprechen. Doch es gibt vielfältige Kritikpunkte, die vor allem die Wissenschaftlichkeit und die Relevanz des Preises anzweifeln. (Link zum kompletten Artikel)
Wie die Organisation Association for Skeptical Investigation aktuell berichtet, bereitet sich James Randi inzwischen auf die Möglichkeit vor, seinen Preis tatsächlich auszahlen zu müssen. Auf der von der James Randi Educational Foundation (JREF) gesponserten Amazing 3 Conference, welche vom 13. bis 16. Januar 2005 in Las Vegas stattfand, führte Richard Dawkins daher schon einmal vorbeugend einen neuen Begriff ein. Aus paranormal wird nun perinormal:
Paranormale Phänomene werden von Randi und Skeptiker-Organisationen wie z.B. GWUP und CSICOP als esoterischer Unsinn abgelehnt. Einen weltanschaulichen und finanziellen Rettungsanker baute Randi-Freund Dawkins nun durch die Aussage, dass paranormale Phänomene in dem Moment perinormal würden, in welchem sie naturwissenschaftlich erklärbar und ableitbar wären. "An alleged phenomenon is perinormal (from the Greek “peri,” in the vicinity of) if it seems impossible but which, in contrast to the “paranormal,” turns out to be a 100% natural, skeptic-approved phenomenon."
Die Bedingungen des Randi-Preises waren bisher schon so konzipiert, dass eine Auszahlung der 1 Mio. Dollar faktisch unmöglich war. Der Argumentation von Stephan Matthiesen im SKEPTIKER 1/2000 ist noch hinzuzufügen, dass sich beispielsweise die GWUP jüngst weigerte, für ihren in der ARD 2004 ausgestrahlten Wünschelruten-Test eine neutrale Kontrolle des Versuchsdesigns durch Mitglieder der Gesellschaft für Anomalistik e.V. zuzulassen ("Die GWUP wird selbst zum Testobjekt"). Sollte ein zukünftiger Test nun ergeben, dass es für Phänomene wie z.B. Telepathie eine naturwissenschaftliche Erklärung gäbe, so würde per Definition aus "paranormal" das neue Konstrukt "perinormal". Und zwar mit weitreichenden finanziellen Folgen: Für perinormale Phänomene schließt Randi eine Zahlung des Preisgeldes kategorisch aus. Randi scheint sich somit schon einmal auf die Macht des Faktischen vorzubereiten...
James Randis Interessenkonflikt:
Interessant an den AGB's von James Randi ist übrigens, dass er mit seinem Preis gleich zwei Ziele anstrebt: 1. Einen Sachverhalt "negativ" zu beweisen. 2. Sein Preisgeld NICHT auszuzahlen. Den damit verbundenen Interessenkonflikt könnte er leicht lösen. Und zwar durch Delegation der Preisüberwachung an ein neutrales - von ihm selbst unabhängiges - Gutachter-Gremium sowie durch Überweisung seines Preisgeldes auf ein notariell verwaltetes Treuhandkonto. Genau dies macht er jedoch nicht. Und Herr Randi wird seine Gründe dafür haben...
August 07, 2005
paranormal & perinormal
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